Die Gemeinschaftspraxis

Wer sich für eine Niederlassung entscheidet, der steht immer auch vor der Frage, ob eine Einzel- oder Gemeinschaftspraxis die richtige Wahl ist. Als Einzelkämpfer genießt man sicherlich die Freiheit die Praxis nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten und zu führen, die Vorteile einer Gemeinschaftspraxis sind jedoch deutlich gewichtiger und zahlreicher.

Die Vorteile einer Gemeinschaftspraxis sind wirtschaftlich, rechtlicher und auch konkreter Natur. Der effizientere Personaleinsatz ist einer von vielen Vorteilen. Zu viel Personal kann den Arzt ebenso teuer zu stehen kommen wie zu wenig. Ist die Zahl der Angestellten nur knapp bemessen, kann der Ausfall von einem oder gar zwei Mitarbeitern zu echten Engpässen führen. In einer Gemeinschaftspraxis besteht die Möglichkeit mehr Personal zu beschäftigen, so dass derartige Ausfälle leicht ausgeglichen werden können. Wenn alle Stricke reißen kann auch einmal der Kollege das Telefon bedienen.

Ebenso können die Räume und Geräte in einer Gemeinschaftspraxis effizienter genutzt werden. Denn eine Praxis ist auch immer ein Unternehmen, das auch die wirtschaftlichen Aspekte im Auge behalten sollte. Bei guter Organisation können die Resourcen effektiv genutzt werden. Der Leerstand einer Praxis wegen Freizeit oder Urlaub wird in einer Gemeinschaftspraxis minimiert.

Eine Gemeinschaftspraxis trägt zur besseren Ausschöpfung des Budgets bei. Wenn Praxisinhaber umfangreiche Spezialkenntnisse haben, wie zum Beispiel Psychosomatik, Sonographie oder Kardiologie können einzelne Budgets allein aus Zeitgründen fast nie ausgelastet werden. Bei Praxiskooperationen ist dies anders!

Die Möglichkeit an Fortbildungen teilzunehmen, sind in einer Gemeinschaftspraxis weitaus günstiger. In einer Eizelpraxis muss die Praxis für Fortbildungen geschlossen werden oder aber eine kostenspielige Vertretung gefunden werden. Bei einer Praxiskooperation tritt dieses Problem nicht zutage. Und Fortbildungen sind heutzutage auf dem Markt unungänglich. Die Patienten erwarten von einer Praxis bestimmte Leistungen, die auch geboten werden sollten, da sonst die Schwierigkeit auftritt, im Wettbewerb mit anderen Praxen zu bestehen. So bleibt eine Gemeinschaftspraxis flexibler und wirtschaftlich besser für den Markt gerüstet.

Wer schon bei der Tätigkeit in der Klinik den Rückhalt durch ein Team zu schätzen wusste, für den bietet eine Kooperation mehr Schutz und Sicherheit. Bei schwierigen Fällen steht dem Arzt immer ein Kollege beratend zur Seite. Zudem ist dieser auch bei der eigenen Krankheit für die Praxis da. Ärzte, die allein die Leitung einer Praxis bestreiten, neigen dazu Krankheiten zu verschleppen, da sie die Praxis nicht allein lassen können oder möchten. Mit einem Kollegen an der Seite kann man beruhigt schlafen und die Praxis für eine Zeit in vertrauenswürdige Hände übergeben. Oft kommt es auch zum Zusammenschluss jungen und älteren Kollegen. Bei dieser Praxisform profitieren beide Seiten besonders voneinander. Der junge Arzt bringt sein neu erworbenes Fachwissen und frische Anregungen in die Praxis. Der ältere Kollege wiederum kann seine Erfahrungen weitergeben.

Trotz all dieser Vorteile besteht immer die Gefahr, dass zwischen den Kooperationspartnern unüberwindbare Streitigkeiten auftreten, die zur Trennung der Gemeinschaftspraxis führen. Derartigen Problemen kann aber immer auch vorgebeugt werden, zum Beispiel mit dem Besuch eines Praxiscoaching. Gedanken daran, dass der Kollege viel weniger und effektiver arbeitet als man selbst, sollten vermieden werden. Statt dessen sollte sich der Arzt immer als Teil eines Teams betrachten.